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«Iphigenia in Tauris» in German

Iphigenie auf Tauris

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Author
Pages:
71
Reading time:
2 hours 45 minutes
Genres
Dramaturgy
Originally published
1787
Original language
German

Table of contents

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Iphigenie auf Tauris: read the book in the original

Personen

Iphigenie.
Thoas, Koenig der Taurier.
Orest.
Pylades.
Arkas.
— — -
Schauplatz: Hain vor Dianens Tempel

Erster Aufzug

Auftritt 1

Iphigenie.
Heraus in eure Schatten, rege Wipfel
Des alten, heil'gen, dichtbelaubten Haines,
Wie in der Goettin stilles Heiligthum
Tret' ich noch jetzt mit schauderndem Gefuehl,
Als wenn ich sie zum erstenmal betraete,
Und es gewoehnt sich nicht mein Geist hierher.
So manches Jahr bewahrt mich hier verborgen
Ein hoher Wille, dem ich mich ergebe;
Doch immer bin ich, wie im ersten, fremd.
Denn ach mich trennt das Meer von den Geliebten,
Und an dem Ufer steh' ich lange Tage
Das Land der Griechen mit der Seele suchend;
Und gegen meine Seufzer bringt die Welle
Nur dumpfe Toene brausend mir herueber.
Weh dem, der fern von Eltern und Geschwistern
Ein einsam Leben fuehrt! Ihm zehrt der Gram
Das naechste Glueck vor seinen Lippen weg,
Ihm schwaermen abwaerts immer die Gedanken
Nach seines Vaters Hallen, wo die Sonne
Zuerst den Himmel vor ihm aufschloss, wo
Sich Mitgeborne spielend fest und fester
Mit sanften Banden an einander knuepften,
Ich rechte mit den Goettern nicht; allein
Der Frauen Zustand ist beklagenswerth.
Zu Haus und in dem Kriege herrscht der Mann
Und in der Fremde weiss er sich zu helfen.
Ihn freuet der Besitz; ihn kroent der Sieg!
Ein ehrenvoller Tod ist ihm bereitet.
Wie eng-gebunden ist des Weibes Glueck!
Schon einem rauhen Gatten zu gehorchen,
Ist Pflicht und Trost; wie elend, wenn sie gar
Ein feindlich Schicksal in die Ferne treibt!
So haelt mich Thoas hier, ein edler Mann,
In ernsten, heil'gen Sklavenbanden fest.
O wie beschaemt gesteh' ich, dass ich dir
Mit stillem Widerwillen diene, Goettin,
Dir meiner Retterin! Mein Leben sollte
Zu freiem Dienste dir gewidmet sein.
Auch hab' ich stets auf dich gehofft und hoffe
Noch jetzt auf dich, Diana, die du mich,
Des groessten Koeniges verstossne Tochter,
In deinen heil'gen sanften Arm genommen.
Ja, Tochter Zeus, wenn du den hohen Mann,
Den du, die Tochter fordernd, aengstigtest,
Wenn du den goettergleichen Agamemnon,
Der dir sein Liebstes zum Altare brachte,
Von Troja's umgewandten Mauern ruehmlich
Nach seinem Vaterland zurueck begleitet,
Die Gattin ihm, Elektren und den Sohn,
Die schoenen Schaetze, wohl erhalten hast;
So gib auch mich den Meinen endlich wieder,
Und rette mich, die du vom Tod errettet,
Auch von dem Leben hier, dem zweiten Tode!
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