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«The Relic» in German

Die Reliquie

4.5 2 votes
✒ Author
📖 Pages 10
⏰ Reading time 20 minutes
💡 Originally published 1882
🌏 Original language French
📌 Types Stories , Novels
📌 Genres Realism , Satire, irony , Humor
📌 Sections Realistic novel , Humor novel

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Die Reliquie: read the book

Herrn Abbé Ludwig d'Ennemare
in Soissons.
Mein lieber Abbé!
Nun ist meine Verlobung mit Deiner Cousine zurückgegangen und zwar auf die dümmste Art und Weise, wegen eines schlechten Witzes, den ich mir beinahe ohne Absicht mit meiner Braut erlaubt habe.
Ich bitte Dich um Hilfe, mein alter Kamerad, in der Verlegenheit, in der ich mich befinde, denn nur Du kannst mir aus der Patsche helfen. Ich will Dir's auch bis zum Tode danken.
Du kennst Gilberte, oder vielmehr, Du bildest es Dir ein, aber kennt man jemals die Frauen aus? All ihre Ansichten, ihre Überzeugungen, ihre Ideen sind Überraschungen. Bei ihnen steckt alles voller Winkelzüge, Rückschläge, voll Möglichkeiten, die nicht vorher zu sehen sind, voll unfaßbarer Schlüsse. Sie sind unlogisch, und haben sie sich einmal etwas in den Kopf gesetzt, das unumstößlich scheint, so werfen sie es plötzlich wieder um, weil sich vielleicht ein Vögelchen aufs Fensterbrett gesetzt.
Ich brauche Dir nicht zu sagen, daß Deine Cousine, als Zögling der weißen oder schwarzen Damen von Nancy, übertrieben religiös ist.
Das weißt Du besser als ich. Was Du aber wohl nicht weißt, ist, daß sie alles übertreibt, genau wie die Religion. Sie fliegt auf wie ein Blatt im Wind. Und sie ist mehr Frau – oder richtiger junges Mädchen – als irgend eine andere, läßt sich sofort rühren oder ärgern. Zuneigung wie Haß gehen mit ihr durch, und von beiden kommt sie ebenso leicht zurück. Und hübsch ist sie, wie Du weißt, und bezaubernd, wie sich's gar nicht ausdrücken läßt … und wie Du es nie ahnen kannst.
Wir waren also verlobt. Ich betete sie an, wie ich sie noch anbete. Sie schien mich zu lieben.
Eines Abends bekam ich ein Telegramm, das mich zu einer Konsultation nach Köln rief. Vielleicht handelte es sich um eine schwere und schwierige Operation. Da ich den folgenden Tag abreisen mußte, ging ich zu Gilberte, um ihr Lebewohl zu sagen und ihr zu erklären, warum ich bei meinen Schwiegereltern in spe Mittwoch nicht würde essen können, sondern erst Freitag, wo ich zurückkam. Hüte Dich nur vor dem Freitag, ich sage Dir, das ist ein Unglückstag!
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